
Darmkrebs-Vorsorge
Für Frauen und Männer ab dem 50. Lebensjahr bezahlt die gesetzliche Krankenversicherung einmal jährlich einen Schnelltest auf okkultes (verborgenes) Blut im Stuhl. Ab dem 55. Lebensjahr kann man zwischen zwei Optionen wählen: entweder alle zwei Jahre ein Stuhlblut-Test oder zwei Darmspiegelungen. Das Problem damit: Der Okkultbluttest ist äußerst unzuverlässig. Die Darmspiegelung (Koloskopie) äußerst unpopulär. Deshalb suchen Experten nach Methoden, die aussagekräftiger sind als der Okkultbluttest. Und mit denen die Patienten erst einmal nicht-invasiv (also ohne Eingriff in den Körper) gezielt zur Koloskopie hingeführt werden. Und zwar nur dann, wenn diese wirklich notwendig ist. Dazu gibt es mehrere Verfahren als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL):
1. Der immunologische Stuhltest:
Die Immunologie ist die Lehre von den biologischen und biochemischen Grundlagen der körpereigenen Abwehr von Krankheitserregern. Das funktioniert im Prinzip ganz einfach: Erkennt unser Immunsystem eine Substanz als fremd, heften sich Antikörper an das fremde Molekül und markieren es. Zur Darmkrebsvorsorge wird dieser natürliche Vorgang auf den Blutfarbstoff Hämoglobin ausgerichtet. Vereinfacht gesagt: Der immunologische Stuhltest zeigt in einer Stuhlprobe des Patienten ganz gezielt den menschlichen Blutfarbstoff Hämoglobin an - und zwar wesentlich exakter als der herkömmliche Okkultbluttest, der fälschlicherweise auch z.B. auf Nahrungsmittelbestandteile wie Blutwurst reagiert.
2. Der „Hämo/Hapto-Komplex“:
„Hämo/Hapto“ meint eigentlich den „Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex“. Dieses Verfahren ist noch etwas aussagekräftiger als der immunologische Stuhltest. Denn zusätzlich zum Hämoglobin wird das Transporteiweiß Haptoglobin mit herangezogen. Der Blutfarbstoff Hämoglobin bindet an Haptoglobin, das heißt: Haptoglobin trägt gewissermaßen das Hämoglobin durch den Körper. Findet sich nun der „Hämo/Hapto-Komplex“ im Stuhl, weist dies auf Blutungsquellen (und damit eventuell auf Tumoren oder auf noch harmlose Darmkrebs-Vorstufen) in höheren Darmabschnitten hin.
3. Der Septin-9-Test:
Ja, es gibt ihn tatsächlich - einen Darmkrebstest, für den keine Stuhlprobe notwendig ist, sondern nur ein Tropfen Blut. Darin fahndet das Labor nach einer Darmkrebs-spezifischen DNA-Veränderung. Dieser neue blutbasierte, unkomplizierte Früherkennungstest ist sehr genau, aber deutlich teurer als die Stuhlteste.

